Bisher noch keine Kommentare

7 Wochen ohne!

Nach dem christlichen Verständnis bietet die Fastenzeit on Aschermittwoch bis Ostern jedes Jahr die Möglichkeit zur Einkehr, zur Besinnung und zur Buße durch Verzicht. Dahinter steht der Glaube an Veränderung und die Hoffnung auf eine Besserung, wenn Routinen und Gewohnheiten überwunden werden.

Ich habe mich mit der Geschichte und Bedeutung der Fastenzeit auseinandergesetzt und für euch das Wichtigste zusammengefasst.

Bedeutung

Der bewusste Verzicht soll das Bewusstsein schärfen für ein intensives Erleben und Reflektieren des Glaubens. Durch die Besinnung auf die wesentlichen Dinge, kann eine Veränderung und Umkehr in Gang gesetzt werden. Das Fasten bietet uns die jährliche Möglichkeit, bekannte Pfade und unsere Komfortzone zu verlassen und uns zu überlegen, was wäre wenn… Wir können vorwärtsschauen, durch einen anderen Alltag eine neue Perspektive einnehmen und aktiv eine Veränderung einleiten. Es macht uns frei von unseren Gewohnheiten und hilft uns, unsere Zeit effektiver zu nutzen. Die Umgewöhnung fällt uns nicht immer leicht, vor allem, wenn sich unser Tagesablauf verschiebt und wir Chaos in gewohnter Ordnung stiften. Doch die kleinen Veränderungen können uns helfen, etwas Unterwartetes zu entdecken und unseren Horizont zu erweitern. Wir finden Zeit, wo vorher keine war, wir hören und finden uns selbst – und Gott. Der Verzicht macht uns neugierig auf Neues und steigert unseren Appetit an den kleinen Freuden des Lebens.

Ursprung und Gesichte

Die Fastenzeit, auch Passionszeit oder Bußzeit genannt, soll an das Leiden und Sterben Jesu Christi erinnern und auf die Auferstehung an Ostern vorbereiten. Durch das Fasten soll eine emotionale und geistige Nähe zu Jesus hergestellt werden, der in die Wüste geführt wurde und dort trotz vieler Versuchungen 40 Tage lang fastete.  Die Fastenzeit wird in der christlichen Kirche seit knapp 400 Jahren zelebriert. Das Fasten hat aber bereits eine deutlich längere Tradition, und es wurde vor allem bei wichtigen geistigen Übergängen gefastet, z.B. während Gerichtsprozessen (Recht und Unrecht), beim Trauern (Leben und Tod) und als allgemeine Hinwendung zu Gott.

In der Vergangenheit gab es eine Fastenordnung mit strikten Regeln. Die Menschen glaubten, die Enthaltsamkeit würde Gott gefallen und die Askese sei ihr Weg in den Himmel. Erst während der Reformation von ca. 1515 bis 1650 kamen Zweifel an den Vorgaben und eine Ablehnung des Glaubens, eine Pflicht sei der Weg zum Heil.

Nach dem heutigen protestantischen Verständnis liegt der Zweck des Fastens bei der Besinnung und Umkehr. Der bewusste Verzicht soll von inneren Zwängen befreien, die das Glaubensleben beeinträchtige und von Wichtigem im Leben abhalten.

Fasten heute

Laut einer Umfrage der DAK befürworten knapp 63% das Fasten, vor allem Personen in der Altersgruppe 18-29 Jahren nehmen teil. Heilfasten liegt im Trend und soll sich wohltuend auf Geist und Körper auswirken und wird als wirkungsvolle Diät betrachtet.

Zeitraum

Die Fastenzeit beginnt jährlich an Aschermittwoch und dauert an bis Karfreitag, dem Tag der Kreuzigung. Die Bezeichnung „Aschermittwoch“ ist übriggeblieben von der Tradition, zu Beginn der Fastenzeit ein Aschekreuz als Zeichen für die Vergänglichkeit auf die Stirn zu zeichnen. Insgesamt wird 40 Tage gefastet, wobei die Sonntage als Andenken an die Auferstehung ausgenommen sind. In diesem Jahr fällt Karfreitag auf den 18. April, in den nächsten beiden Jahren liegt der Zeitraum folgendermaßen

2020: 26.02.2020 – 09.04.2020

2021: 17.02.2021 – 01.04.2021

Symbole der Fastenzeit

Die Zahl 40 hat im christlichen Glauben große Bedeutung:

  • 40 Tage blieb Moses auf dem Berg Sinai, bis er von Gott die Zehn Gebote erhielt,
  • 40 Tage und Nächte dauerte der Regen der Sintflut,
  • 40 Tage und Nächte wartete Noah, bis er ein Fenster seiner Arche öffnete und einen Raben fliegen ließ,
  • 40 Jahre wanderten das Volk Israel durch die Wüste nach dem Auszug aus Ägypten,
  • 40 Tage und Nächte wanderte der Prophet Elia zum Gottesberg Horeb, wo Gott zu ihm sprach,
  • 40 Tage verbrachte Jesus betend und fastend in der Wüste, um sich auf seine Sendung vorzubereiten.

Es ist nicht verwunderlich, dass auch die Fastenzeit genau 40 Tage umfasst.

Während diesem Zeitraum werden in der Kirche Fastentücher aufgehängt, meist farbenfrohe Tücher mit biblischen Motiven. Diese Tradition geht auf den jüdischen Tempelvorhang zurück. Es wird berichtet, dass der Vorhang in dem Moment reißt, als Jesus am Kreuz stirbt. Im Laufe der Zeit wurden diese Passionstücher immer aufwändiger verziert, womit der eigentliche Sinn des Verhüllens schwindet.

Als Farbe trifft man häufig auf Violett, was Büße und den Beginn einer Verwandlung symbolisiert. Während der Fastenzeit legt man Wert auf das Geben von Almosen, sogenannten Fastenopfern. In manchen Ländern wird zu einem besonderen Opfer, meist eine Spende für bestimmte Projekte oder gemeinnützige Organisationen, aufgerufen.

Oft sieht man auch einen Fastenstrauch, ein Zweig von einem Forsythienstrauch oder Kirschbaum, der an Aschermittwoch abgeschnitten und in Wasser gestellt wird. Bis zum Osterfest blühen die Zweige und stellen ein Symbol für den Aufbruch zu etwas Neuem dar.

Was wird gefastet?

Nach dem protestantischen Verständnis kann jede*r für sich selbst entscheiden, was für ihn*sie am besten ist. Früher wurde vor allem auf Nahrung oder bestimmte Speisen (Fleisch) verzichtet, heutzutage ist der Konsum individueller und vielfältiger geworden. Daher gibt es auch ganz unterschiedliche Ideen und Vorstellungen vom Fasten. Die Kirche empfiehlt einen Verzicht auf Fleisch an Freitagen und schlägt ein Klimafasten vor – 40 Tage lang aufs Auto verzichten, Plastik vermeiden und saisonal einkaufen. Die evangelische Kirche bewirbt die Aktion „Mal ehrlich“, bei der sieben Wochen lang auf große und kleine Alltagslügen verzichtet werden soll.

7 Wochen ohne – was wäre es bei dir? Wie wäre es z.B. damit, auf Internet, Fernsehen und Soziale Medien zu verzichten? Abends ein Buch lesen oder ein Hörspiel hören statt zu fernsehen oder das Smartphone außerhalb der Arbeitszeiten ausschalten. Oder alle Getränke außer Wasser aufzugeben und den Genuss für Anderes stärken. Was wären 7 Wochen ohne Konsum? Keine neuen Klamotten, kein Schnickschnack für die Wohnung, den eigenen Konsum bewusst einschränken.

In einer Umfrage der DAK geben insgesamt ca. 73% an, auf Alkohol zu verzichten, 67% verzichten auf Süßigkeiten und knapp 46% fasten Fleisch. Auch Fernsehen (39%), Rauchen (38%) und Internetnutzung (29%) werden gefastet. Auf das Auto verzichten wollen immerhin knapp 20%.

Bei den Verzichtsdingen gibt es geschlechterspezifische Unterschiede: Frauen fokussieren häufiger ernährungstechnische Faktoren, wie Süßigkeiten und Fleisch, wohingegen Männer eher auf Alkohol oder Fernsehen verzichten.

 

Ihr fastet auch? Erzählt uns doch in den Kommentaren, worauf ihr in diesem Jahr verzichtet! Fällt es euch schwer oder habt ihr euch bereits umgewöhnt?

Kommentar abgeben.